Kobalt. Der Rohstoff Kobalt steht wegen der potenziellen menschenrechtlichen Risiken in der Lieferkette besonders im Fokus. Die Nachfrage nach Kobalt wird aufgrund der Elektrifizierung der Fahrzeugflotte steigen. Über unsere eigenen Maßnahmen hinaus hat ein externes Auditunternehmen in unserem Auftrag eine unserer künftigen Batterie-Lieferketten nach OECD- Standards kontrolliert. Dabei wurden sowohl die Downstream-Lieferanten (von den Batterieherstellern bis zu den Raffinerien) als auch die Upstream-Lieferanten (von den Raffinerien bis zu den Minen) geprüft. So haben wir ein umfangreiches Supply Chain Mapping der Kobaltlieferkette bekommen. Dieses wiederum bietet die Grundlage für eine erhöhte Transparenz, Kontrolle und Einflussnahme auf die Lieferkette. Die Audits beinhalteten auch die Prüfung von Systemen zur Vorbeugung von moderner Sklaverei und Kinderarbeit.

Im Zuge der Audits wurden bei Verbesserungsbedarf auch sogenannte individuelle Corrective Actions Plans, also konkrete Verbesserungsmaßnahmen, mit den Zulieferern vereinbart, deren Umsetzung kontinuierlich nachgehalten wird. Somit hat die Überprüfung der Batterie-Lieferkette auch eine Basis für eine kontinuierliche Verbesserung geschaffen: Die Umsetzung der Korrekturmaßnahmen führt zu einer verbesserten Due Diligence nicht nur beim direkten Lieferanten, sondern auch in der kompletten Lieferkette.

Um einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess sicherzustellen, ist eine langfristige Zusammenarbeit mit dem externen Dienstleister geplant. Über das Supply Chain Mapping, die Auditierung der Kobaltlieferkette, das Scoring der einzelnen Lieferanten und das Umsetzen von Korrekturmaßnahmen wird dabei das Capacity Building beim Lieferanten stärker in den Fokus rücken. Ziel ist es, die Lieferanten dabei zu unterstützen, ihre Verantwortung zur Achtung der Menschenrechte wahrzunehmen. Die Auditierung soll auf andere Kobaltlieferketten ausgeweitet werden. Darüber hinaus hat Daimler im Berichtsjahr eine Übersicht über die Kobaltschmelzen in unseren aktuellen Batterie-Lieferketten veröffentlicht.
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Mica (Glimmer). Die Lieferkette des Minerals Glimmer, das in Fahrzeuglacken vorkommt und vom Human Rights Respect System als eines der kritischen Materialien identifiziert worden ist, wurde einer grundlegenden Überprüfung unterzogen. Unter anderem hat ein Team aus Qualitätsingenieuren und Menschenrechtsexperten dazu drei Minen und drei Prozessoren in Indien nach menschenrechtlichen Gesichtspunkten auditiert, um vor Ort die Einhaltung menschenrechtlicher Standards zu überprüfen.

Ziel des gesamten Projekts war es, Transparenz über die Mica- und Lacklieferkette hinweg zu generieren, um potenzielle Missstände aufzudecken und entsprechende korrigierende Maßnahmen zu definieren. Im Zuge der Prüfungen wurde ein Sublieferant von einem unserer direkten Lieferanten aus der Lacklieferkette ausgeschlossen. Das Unternehmen steht jedoch weiter mit dem Lieferanten im Dialog, um die Fortschritte zu verfolgen.

Stahl, Aluminium und Edelmetalle. Für Stahl, Aluminium und Edelmetalle (Platinum Group Metals, PGM) haben wir die Transparenz hinsichtlich Herkunft der mineralischen Rohstoffe durch Lieferantenbefragungen erhöht. Ein besonderes Augenmerk wurde in diesem Zusammenhang auf die Umsetzung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten in den jeweiligen Lieferketten gelegt. Darüber hinaus führen wir auch individuell Dialoge mit indirekten Zulieferern zum Thema Menschenrechte. Mineralische Rohstoffe wie Stahl oder Aluminium sind nahezu vollständig recycelbar und tragen somit zur Steigerung der Ressourceneffizienz bei. Gleichzeitig kann dies mit sozialen Risiken in den Lieferketten verbunden sein. Aufgrund dieses Spannungsfeldes wurde mit den Lieferanten ein Dialog über den Einsatz von Sekundärrohstoffen initiiert.

Naturkautschuk. Im Rahmen unseres Human Rights Respect Systems haben wir den Rohstoff Naturkautschuk als eines der Fokusmaterialien für die Untersuchung der Lieferkette definiert. Da der Rohstoff hauptsächlich in Reifen verwendet wird, führen wir hier nicht nur eigene Lieferantenabfragen durch, sondern konzentrieren uns besonders auf die Zusammenarbeit mit Initiativen in Verbänden sowie mit unseren Partnern in der Reifenindustrie.

Konfliktmineralien. Die Stoffe Zinn, Tantal, Wolfram und Gold, die auch in potenziell konfliktbehafteten Gebieten abgebaut werden, analysieren wir ebenfalls im Rahmen des Human Rights Respect Systems. Im Zuge der Abfrage unserer Lieferanten fordern wir von diesen auch Transparenz über die Herkunft dieser Stoffe. Die Lieferanten erhalten auf Basis ihrer Angaben Vorschläge für die Umsetzung von Verbesserungen. Damit arbeiten wir kontinuierlich weiter an einer Verbesserung der Transparenz und einer verantwortungsvollen Beschaffung der Materialien aus konfliktbehafteten Gebieten. Auch im Rahmen unseres Engagements in Verbänden und Initiativen, wie beispielsweise der Responsible Minerals Initiative, beteiligen wir uns an Verbesserungsmaßnahmen.

Dienstleistungen. Im Dienstleistungsbereich haben wir gemeinsam mit Menschenrechtsexperten Sensibilisierungsmaßnahmen zum Thema Menschenrechte angestoßen. Neben einem internationalen webbasierten Informationsangebot zu Integrität und Menschenrechten führte ein funktionsübergreifendes Team aus Einkäufern und Menschenrechtsexperten einen ersten „Good Practice Workshop“ mit Lieferanten aus dem Bereich Logistik in Rumänien durch. Ein offener und konstruktiver Erfahrungsaustausch sowie die klare Kommunikation unserer Erwartung an unsere Geschäftspartner sensibilisierten für das Thema. Damit wurde die Grundlage für weiterführende Gespräche geschaffen, um unser Good-Practice-Sharing-Konzept weiter auszubauen und systematischer zu gestalten.

Soziale Standards für Werk- und Dienstverträge. Unsere Standards für die Vergabe und Durchführung von Werk- und Dienstverträgen gehen in vielen Bereichen über die geltenden gesetzlichen Regelungen hinaus. Sie enthalten Anforderungen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz, zu Unterbringung und Vergütung, zum Einsatz von Zeitarbeitnehmern, zur Beauftragung von Subunternehmern sowie zur Selbstständigkeit. Dies gilt für alle Aufträge, die mehr als zwei Monate umfassen und auf dem Betriebsgelände der Daimler AG in Deutschland ausgeführt werden. Alle relevanten Dienstleister müssen eine Erklärung unterschreiben, dass sie die Standards einhalten. Nur unter dieser Voraussetzung kommen sie für weitere Aufträge infrage. Ein Audit-Team des Einkaufs überprüft, ob die Standards eingehalten werden.