Für die Achtung und Wahrung der Menschenrechte haben wir einen systematischen Due-Diligence-Ansatz entwickelt, das Daimler Human Rights Respect System (HRRS). Es zielt sowohl auf die Sicherstellung der Menschenrechte unserer eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ab als auch die Achtung der Menschenrechte bei unseren direkten Lieferanten (Tier-1) sowie risikobasiert über Tier-1 hinaus an relevanten Punkten der Lieferkette. Mit unserem systematischen Ansatz zur Achtung und Wahrung der Menschenrechte wollen wir beispielgebend in der Automobil- und Mobilitätsdienstleistungsbranche sein.

Managementsystem der menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht (Due Diligence) Mit dem Human Rights Respect System implementieren wir ein Verfahren zur frühzeitigen Erkennung und Vermeidung systemischer Risiken und möglicher negativer Auswirkungen unseres unternehmerischen Handelns auf die Achtung der Menschenrechte. Das HRRS orientiert sich an unserem konzernweit gültigen Compliance Management System (CMS).

Menschenrechte in Mehrheitsbeteiligungen und in der Lieferkette Ziel ist es, das HRRS über sämtliche Risikokategorien der Mehrheitsbeteiligungen und der Lieferkette des Konzerns schrittweise bis 2030 umzusetzen.

Die Achtung von Menschenrechten ist für Daimler ein grundlegender Bestandteil verantwortungsvoller Unternehmensführung. In unserer konzernweiten Nachhaltigkeitsstrategie zählt die Achtung der Menschenrechte daher zu den zentralen Fokusthemen. Es ist unser Anspruch und Ziel, dass die Menschenrechte in allen unseren Einheiten eingehalten werden und auch bei unseren Zulieferern Beachtung finden.

Von zentraler Bedeutung und Referenzrahmen für die im Zuge des HRRS definierten Sorgfaltspflichten sind dabei insbesondere

  • der UN Global Compact,
  • die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte,
  • die Internationale Menschenrechtscharta,
  • der Nationale Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte (Deutschland) sowie
  • die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation.

Unsere hierauf basierenden Erwartungen haben wir entsprechend klar in unserer Richtlinie für integres Verhalten sowie in den Daimler Supplier Sustainability Standards festgeschrieben. Letztere definieren Anforderungen an Arbeitsbedingungen, Menschenrechte, Umweltschutz und Sicherheit, Geschäftsethik und Compliance und sind Teil unserer Geschäftsbedingungen. Unsere direkten Zulieferer in aller Welt sind aufgefordert, diese Nachhaltigkeitsstandards einzuhalten, sie ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu vermitteln und sie auch in ihre vorgelagerten Wertschöpfungsketten hineinzutragen und deren Einhaltung zu kontrollieren. Risikobasiert führen wir zudem unsererseits Kontrollen in den kritischen Lieferketten durch, bei denen wir über den direkten Lieferanten hinaus die Einhaltung unserer Standards in weiteren Gliedern der Lieferkette überprüfen. Vom Ausgangspunkt, dem Tier-1-Lieferanten, geht der Weg entlang der kritischen Stellen in der Lieferkette, bei Bedarf bis zur Mine.

Das Human Rights Respect System (HRRS) bauen wir dabei unter regelmäßiger Konsultation externer Stakeholder sukzessive aus. Das HRRS orientiert sich an unserem konzernweit gültigen Compliance Management System (CMS) und konzentriert sich anhand eines risikobasierten Vorgehens sowohl auf Daimler-Mehrheitsbeteiligungen inklusive unserer Produktionsstandorte als auch auf unsere Lieferkette.

Due Diligence mit dem Human Rights Respect System. Als proaktives Risikomanagement zielt das HRRS darauf ab, systemische Risiken und potenzielle negative Auswirkungen unseres unternehmerischen Handelns auf die Achtung der Menschenrechte frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden.

Damit dient das HRRS primär dem Schutz Dritter und soll auch in unsere Lieferkette hinein wirksam sein. Es umfasst vier Schritte, die sowohl auf die Daimler-Mehrheitsbeteiligungen als auch auf die Lieferkette angewendet werden:

  1. potenzielle Menschenrechtsrisiken identifizieren (Risikoprüfung),
  2. Präventiv- und Gegenmaßnahmen definieren, einleiten und steuern (Programmsteuerung),
  3. die Effektivität der Maßnahmen, insbesondere in Einheiten mit erhöhtem potenziellen Risiko und Lieferketten mit hohen menschenrechtlichen Risiken, überwachen (Monitoring),
  4. regelmäßig intern über relevante Fragen berichten und zugleich externe Berichtsanforderungen erfüllen (Reporting).

Zum HRRS gehört vor allem auch der Austausch mit den sogenannten Rechteinhabern, zum Beispiel mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und deren Vertretern, sowie externen Dritten, zum Beispiel zivilgesellschaftlichen Gruppen oder der lokalen Bevölkerung vor Ort.

Identifizierung von Menschenrechtsrisiken in Daimler-Mehrheitsbeteiligungen. Die Risikoprüfung erfolgt in einem zweistufigen Prozess. Den ersten Schritt bildet die Klassifizierung der Mehrheitsbeteiligungen auf Basis von festgelegten Kriterien wie landesspezifischen und geschäftsspezifischen Risiken. Einheiten mit einem erhöhten Menschenrechtsrisiko sollen dann in einem zweiten Schritt Vor-Ort-Überprüfungen unterzogen werden. Unser modularer Ansatz berücksichtigt dabei die zentralen menschenrechtlichen Normen, die sich etwa aus der internationalen Menschenrechtscharta ergeben oder die von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) formuliert wurden.

Im Berichtsjahr haben wir unser Verfahren zur Risikoprüfung methodisch angepasst und von externen Stakeholdern verifizieren lassen. Deren Rückmeldungen fließen in die Weiterentwicklung des Systems ein. Zudem erarbeiten wir derzeit einen effektiven Ansatz für Programmsteuerung, Monitoring und Reporting.

Identifizierung von Menschenrechtsrisiken in unserer Lieferkette. Seit 2008 definieren wir in unseren Supplier Sustainability Standards Anforderungen an unsere Lieferanten in Bezug auf Nachhaltigkeit. Wesentliche Bestandteile sind die Einhaltung der Menschenrechte und hierbei insbesondere Anforderungen zu Arbeitsbedingungen. Um unserer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht noch systematischer nachzukommen, haben wir für verschiedene Produktbereiche (beispielsweise Produktionsmaterial oder Dienstleistungen) zugeschnittene Risikoklassifizierungen entwickelt. Hierdurch werden menschenrechtlich potenziell kritische Dienstleistungen und Risikorohstoffe einschließlich konfliktbehafteter Mineralien identifiziert. Darauf aufbauend, haben wir im laufenden Berichtsjahr damit begonnen, zielgerichtet Maßnahmen zu definieren und umzusetzen, die bei Bedarf auch über unsere Direktlieferanten hinausgehen.

Die Maßnahmen sind vielfältig: So setzen wir in Lieferketten mit bestimmten identifizierten Risikorohstoffen, wie zum Beispiel Kobalt, bei der Neuvergabe Lieferantenfragebögen ein. Damit soll die Nachhaltigkeits-Performance über den direkten Zulieferer hinaus erfasst werden. Dieser Fragebogen wird ergänzt durch einen spezifischen Fragebogen zur Lieferkettentransparenz und menschenrechtlichen Due Diligence, der auf den Anforderungen des Five-Step Framework der OECD Due Diligence Guidance for Responsible Supply Chains of Minerals from Conflict-Affected and High-Risk Areas basiert. Die Angaben der potenziellen Batterie-Lieferanten überprüfen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gezielt während ihrer Assessments vor Ort.

Im Rahmen der Auftragsvergabe zur Lieferung von Batteriezellen haben wir außerdem ein externes Auditunternehmen mit der Auditierung unserer Kobaltlieferkette beauftragt und selbst Compliance-Dialoge mit Zulieferern geführt. Wir führen auch mit Unternehmen Compliance-Dialoge, die nicht zu unseren direkten Zulieferern gehören, sich jedoch an wichtigen Stellen unserer Lieferkette befinden, zum Beispiel beim Abbau von Mineralien. Ziel ist es, diese Vorgehensweise sukzessive auf die anderen Rohmaterialien auszuweiten. Zudem stellen wir Lieferanten Schulungsmaterialien zur Verfügung, um sie rohstoffübergreifend für Menschenrechtsthemen zu sensibilisieren.

Bei der Konzipierung und Implementierung geeigneter Präventiv- und Gegenmaßnahmen arbeiten funktionsübergreifende Teams, bestehend aus Menschenrechts- und Compliance-Experten sowie den operativen Einkaufsbereichen, eng zusammen.
Weiterführende Informationen hierzu im Kapitel Nachhaltigkeit in der Lieferkette

Zusätzlich zu unseren eigenen Maßnahmen engagieren wir uns in Rohstoff-Initiativen, die unsere Aktivitäten für einen verantwortungsbewussten Rohstoffbezug ergänzen und geeignet sind, deren Wirkung zu verstärken. Im Fokus der Initiativen steht zunächst der verantwortungsvolle Umgang mit Kobalt, Stahl und Aluminium.
Weiterführende Informationen hierzu im Kapitel Nachhaltigkeit in der Lieferkette

Weitere konzernweite Maßnahmen. Im Vertrieb nehmen wir bei potenziell kritischen Transaktionen Einzelprüfungen vor. Dies geschieht in Abstimmung mit den beteiligten Bereichen. Auch unsere Beschäftigten informieren und sensibilisieren wir im Rahmen der laufenden Trainings zur Achtung von Menschenrechten, wie in der Richtlinie für integres Verhalten festgeschrieben. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie auch externe Personen können über verschiedene Kanäle – wie zum Beispiel das Hinweisgebersystem BPO (Business Practices Office) oder die Weltarbeitnehmervertretung – auf vermutete Menschenrechtsverletzungen hinweisen und Abhilfe einfordern, so wie es der Anforderung nach „Zugang zu Abhilfe“ – der dritten Säule der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte – entspricht.
Unsere Grundsätze und Richtlinien
Hinweisgebersystem BPO

Im Jahr 2018 wurden im Rahmen unserer Prüfungen innerhalb des Daimler-Konzerns keinerlei Verdachtsfälle auf Kinder- oder Zwangsarbeit, auf Verstöße gegen das Recht auf Kollektivverhandlungen oder die Vereinigungsfreiheit entdeckt oder gemeldet. Individuellen Verdachtsfällen in der Lieferkette, unter anderem im Hinblick auf den Abbau von Rohstoffen durch Kinderarbeit, geht das Unternehmen konsequent nach. Darüber hinaus gemeldeten Vorkommnissen und Hinweisen aus der Zivilgesellschaft sind wir nachgegangen und haben diese überprüft. Dort, wo wir Handlungsbedarf identifizieren, treffen wir, auch mit Partnern, die erforderlichen Maßnahmen.

Einbinden der Unternehmensführung. Für die Steuerung des Themas Menschenrechte ist das Vorstandsressort Integrität und Recht verantwortlich. Das zuständige Vorstandsmitglied informiert sich regelmäßig über die Menschenrechtsaktivitäten und erhält die entsprechenden Berichte. Hinzu kommt die regelmäßige Berichterstattung an den Gesamtvorstand und das Corporate Sustainability Board (CSB) sowie das Procurement Council (PC) im Rahmen der Umsetzung unserer Nachhaltigkeitsstrategie.