Die Weltgesundheitsorganisation hat sich zum Ziel gesetzt, die Zahl der Toten und Verletzten im Straßenverkehr bis 2020 auf die Hälfte zu senken. Die EU will die Anzahl der Verkehrstoten bis 2050 auf nahe null senken.

Fahrzeughersteller haben durch die Einführung von Sicherheitssystemen in Fahrzeugen die Möglichkeit, einen positiven Beitrag zur Erreichung dieser Ziele zu leisten. Dabei ist der Einfluss auf das Fahrerverhalten und die Infrastruktur allerdings begrenzt.

Daimler will mit modernen Fahrerassistenzsystemen und fahrzeugseitigen Schutzsystemen die Sicherheit im Straßenverkehr deutlich weiter erhöhen, stets im Sinne der Vision vom unfallfreien Fahren.

Mit der Einführung des Anti-Blockier-Systems war Daimler schon vor 40 Jahren Vorreiter für digitale Assistenzsysteme. Diese Erfolgsgeschichte setzen wir weiter fort. Einige Beispiele:

Bestnoten in Sicherheitstests erhalten die Modelle von Mercedes-Benz immer wieder. Besonders hervorzuheben sind die Spitzenbewertungen, die wir regelmäßig vom US-amerikanischen Insurance Institute for Highway Safety (IIHS) bekommen. Beim IIHS-Rating werden neben der Crash-Sicherheit auch Systeme zur Unfallvermeidung bewertet. Für das Modelljahr 2018 sind hohe Anforderungen an die Beleuchtung hinzugekommen, die unsere Mercedes-Benz Fahrzeuge sehr gut gemeistert haben. So erhielten im Berichtsjahr die Mercedes-Benz E-Klasse, der GLC und der GLE das begehrte Prädikat Top Safety Pick+. Sehr gut schnitt auch die C-Klasse ab, die mit dem Top Safety Pick bedacht wurde.

Top-Sicherheit im neuen GLE. Mit dem neuen GLE, den wir auf der Mondial de l’Automobile in Paris Anfang Oktober 2018 der Öffentlichkeit vorstellten, kommt nun die jüngste Generation von Fahrassistenzsystemen auf die Straße. Dabei haben wir das Sicherheitsniveau nicht nur gegenüber dem Vorgängermodell weiter erhöht, einige der Funktionen sind zum Zeitpunkt der Premiere einzigartig im SUV-Segment. So zum Beispiel das Staumanagement: Mit dem Aktiven Abstands-Assistenten DISTRONIC kann der neue GLE Staus oder zäh fließenden Verkehr erkennen und darauf reagieren, bevor der Fahrer die Verkehrsbehinderung wahrnimmt. Erkennt das System einen Stau, reduziert es die Geschwindigkeit auf 100 km/h und gibt so dem Aktiven Brems-Assistenten genügend Spielraum, um das Fahrzeug vor dem Stauende bis zum Stillstand abzubremsen.

Im Stau selbst kann der Aktive Stau-Assistent Fahrerin und Fahrer deutlich entlasten: Bei vorhandenen Spurmarkierungen kann das System die Spur- und Abstandshaltung bis 60 km/h weitgehend übernehmen und sogar beim Bilden einer Rettungsgasse assistieren. Dazu wertet er die Straßenkategorie, die Geschwindigkeit und die Abstände zu Vorausfahrern und Nebenfahrzeugen aus. Auch einscherende Fahrzeuge erkennt der Aktive Stau-Assistent mithilfe der Stereo Multi Purpose Camera (SMPC) und des Radars. Ist der Stau vorbei, übernimmt DISTRONIC und beschleunigt entweder auf die von Fahrerin oder Fahrer voreingestellte Geschwindigkeit oder auf 130 km/h, den Richtwert auf deutschen Autobahnen.

Intelligent Drive in der neuen A-Klasse. Die 2018 vorgestellte neue A-Klasse ist mit Fahrassistenz-Systemen der neuesten Generation ausgestattet und erreicht damit ein sehr hohes Niveau aktiver Sicherheit in ihrem Segment: Zum ersten Mal kann die A-Klasse in bestimmten Situationen teilautomatisiert fahren. Assistenzsysteme wie Daimlers Aktiver Totwinkel-Assistent mit Ausstiegswarnfunktion, der beim Türöffnen im Stillstand akustisch und bei vorhandenem Ambientelicht optisch vor Verkehrsteilnehmern im toten Winkel warnt, haben sogar in der A-Klasse Premiere. Damit haben wir unsere Intelligent Drive Sicherheitsphilosophie erstmals auch in der Kompaktklasse realisiert. Ihr Ziel ist eine Vernetzung aller Fahrerassistenz- und Sicherheitssysteme im Automobil. Damit verschmelzen Komfort und Sicherheit endgültig miteinander.

Die Sensoren, welche die Daten für diese Funktionen liefern, bilden ein eng geknüpftes Netzwerk im Fahrzeug. Ein besonders wichtiger Baustein ist die Stereo Multi Purpose Camera (SMPC), die Mercedes-Benz parallel zur Präsentation von Intelligent Drive einführt. Sie erfasst querende Objekte und Fußgänger räumlich, weil ihre beiden Kameraaugen ein dreidimensionales Sehen ermöglichen. Ergänzt wird die optische Wahrnehmung durch verschiedene Radare und Ultraschallsensoren.

Sprinter mit umfassendem Sicherheitspaket. Der neue Sprinter glänzt mit Sicherheitstechnologien der neuesten Generation. Dazu gehören der radarbasierte Abstands-Assistent DISTRONIC ebenso wie der Aktive Spurhalte-Assistent. Serienmäßig ist der Seitenwind-Assistent an Bord, der Transporterfahrten vor allem bei höheren Geschwindigkeiten deutlich sicherer macht. Das modular aufgebaute Park-Paket rundet das Assistenz-Angebot ab: Ein- und Ausparken wird durch die umfassende Sensorik und die Bildanzeige der Rückfahrkamera auf dem Multimediadisplay erheblich vereinfacht. Das Park-Paket mit 360-Grad-Kamera besitzt sogar vier Kameras, die auf dem Multimediadisplay die komplette Rundumsicht des Transporters aus der Vogelperspektive abbilden. Der optionale Totwinkel-Assistent warnt zusätzlich vor Hindernissen.

Transporter Training vermittelt sicheres Fahren. Auch 2018 fanden in ganz Deutschland wieder unsere Trainings für Transporterfahrer statt. An 57 Veranstaltungstagen konnten die Teilnehmenden in speziellen Fahrtechnikzentren die situationsgerechte Anwendung der Sicherheitstechnik in Transportern und Vans von Mercedes-Benz üben – angefangen beim Citan über den Vito und die V-Klasse bis hin zum Sprinter als Kombi, Kastenwagen, Doppelkabine oder mit Kofferausbau. Erstmals waren in dieser Saison auch mehrere Pick-ups der X-Klasse am Start. Seit dem Beginn im Jahr 2003 wurden beim „Transporter Training on Tour“ mehr als 50.000 Fahrerinnen und Fahrer geschult.

Mehr Sicherheit im Lkw-Verkehr. Immer wieder sind Trucks an Unfällen beteiligt. So beispielsweise bei Auffahrunfällen am Stauende oder wenn – etwa beim Abbiegen – Fußgänger oder Radfahrer übersehen werden. Für Daimler ist jeder Unfall einer zu viel. Deshalb arbeiten unsere Forscher und Entwickler laufend an Systemen zur Unfallvermeidung und an deren systematischer Weiterentwicklung. Richtlinien, die die technischen Anforderungen an solche Systeme weiter verschärfen, unterstützen uns in diesem Engagement. So schlägt die EU-Kommission in Überarbeitung der Richtlinie zur allgemeinen Fahrzeugsicherheit unter anderem vor, alle Lkw und Busse ab 2024 verpflichtend mit Abbiege-Warnsystemen auszustatten.

Wir bieten in unseren Nutzfahrzeugen bereits seit 2016 Abbiege-Assistenten an – als weltweit erster und bislang auch einziger Hersteller. Inzwischen kann das Sicherheitssystem in mehr als 20 Fahrzeugvarianten bestellt werden. 2018 war bereits jeder vierte in Deutschland ausgelieferte Mercedes-Benz Lkw damit ausgerüstet. Neu hinzugekommen ist im Berichtsjahr der Mercedes-Benz Econic, der nun auch mit Abbiege-Assistent und Active Brake Assist 4 mit Fußgängererkennung verfügbar ist. Der Active Brake Assist 4 ist das weltweit erste Assistenzsystem für Lkw, das den Fahrer vor einer drohenden Kollision mit sich bewegenden Fußgängern warnen und zugleich automatisch eine Teilbremsung einleiten kann.

Actros mit Active Brake Assist 5. Der neue Actros verfügt über den Active Brake Assist 5. Neu ist die Zusammenarbeit von Radar- und Kamerasystem. Damit wurde unter anderem die Reaktion auf Personen in einem Geschwindigkeitsbereich bis 50 km/h gegenüber dem Active Break Assist 4 verbessert. Der Active Brake Assist 5 kann innerhalb der Systemgrenzen auf querende, entgegenkommende oder in der eigenen Spur laufende Personen reagieren. Kommt es zu einer solchen Situation, wird ein mehrstufiges Warnsystem ausgelöst. Reagiert der Fahrer dann nicht, führt der Active Brake Assist 5 innerhalb der Systemgrenzen eine Vollbremsung durch. Dies gilt auch für Fußgänger, die unachtsam vor das Fahrzeug laufen und dort womöglich vor Schreck stehen bleiben.

Erstes teilautomatisiertes Assistenzsystem in Serien-Lkw. Mit dem Active Drive Assist bringen wir erstmals ein teilautomatisiertes Assistenzsystem (Level 2) in einen Serien-Lkw. Der Active Drive Assist ermöglicht Fahrerin und Fahrer in einem Serien-Lkw teilautomatisiertes Fahren in allen Geschwindigkeitsbereichen. Neu sind die aktive Querführung und die Verbindung von Längs- und Querführung durch die Fusion von Radar- und Kamerainformationen. Der Active Drive Assist ermöglicht das Zusammenspiel von Abstandshalte-Assistent mit Stop-and-go-Funktion und dem Spurhalte-Assistenten. Während die Verantwortung für die Überwachung des Verkehrsgeschehens weiterhin beim Fahrer liegt, entlastet ihn das System deutlich und leistet einen wichtigen Beitrag zur Erhöhung der Sicherheit auf der Straße.

Neu in einem Serien-Lkw ist auch die MirrorCam, die im Actros die herkömmlichen Außenspiegel ersetzt. Digitalkameras und Displays sorgen für ein vergrößertes Sichtfeld des Fahrers – ein weiteres Plus an Sicherheit.

Level-2-Fahrtechnologie im Freightliner Cascadia. Auch Daimler Trucks North America will in 2019 mit dem neuen Freightliner Cascadia erstmalig SAE-Level-2 teilautomatisierte Fahrtechnologie auf den nordamerikanischen Markt bringen.

Entwicklungen Level-4-Fahrtechnologie. Weiterhin hat Daimler Trucks für 2019 strategische Entwicklungen hinsichtlich Level-4-voll-automatisiertem Fahren angekündigt. Level 4 bedeutet, dass sich aus technischer Sicht kein Fahrer mehr zwingend im Fahrzeug befinden muss, in gewissen Situationen aber weiterhin das Fahrzeug steuern kann, zum Beispiel an sogenannten Hubs, in städtischen Gebieten oder zum Be- und Entladen. Im ersten Schritt ist der Use Case auf die Langstrecke in den USA in einem Hub-to-Hub-Betrieb beschränkt. Level-4-voll-automatisierte Lkw bringen zahlreiche Vorteile. Dabei steht Sicherheit an oberster Stelle. Neueste und vielfältige Sensortechnologie, Redundanzen und Software-Programme auf Basis künstlicher Intelligenz werden den Lkw der Zukunft noch sicherer machen und dabei den Faktor des menschlichen Versagens reduzieren. Auch aus Kundensicht bietet die Level-4-Technologie erhebliche Vorteile: zum einen erhöhte Produktivität, da durch den Wegfall von Ruhezeiten ein Betrieb rund um die Uhr möglich ist. Zum anderen reduzieren sich auch die Kosten pro gefahrenem Kilometer beziehungsweise gefahrener Meile signifikant. Ziel ist es, Level-4-voll-automatisierte Lkw innerhalb der nächsten Dekade in Serie zu bringen.

Neue Assistenzsysteme im Bus. In Reisebussen von Mercedes-Benz und Setra feierte der automatische Notbremsassistent Active Brake Assist im Berichtsjahr Jubiläum: Seit zehn Jahren hilft er dabei, Unfälle zu verhindern. Die nächste Stufe ist die flächendeckende Einführung des Active Brake Assist 4 (ABA 4). Ab 2019 soll er zur Serienausstattung aller Reisebusse von Mercedes-Benz und Setra gehören.

Das Pendant für Stadtbusse ist der neue Preventive Brake Assist, der weltweit erste aktive Bremsassistent in dieser Fahrzeugklasse. Er warnt bei akuter Kollisionsgefahr mit sich bewegenden Fußgängern sowie stehenden oder fahrenden Objekten und löst zeitgleich automatisch eine Teilbremsung aus. Diese ist sanfter als eine Vollbremsung und soll die Verletzungsgefahr der Businsassen verringern. Der Fahrer kann jedoch jederzeit eingreifen und eine Vollbremsung einleiten, wenn es die Situation erfordert.

Der Sideguard Assist, der erste Abbiege-Assistent für Omnibusse, überwacht mit Radarsensoren die Spur rechts vom Omnibus auf ganzer Länge. So unterstützt er den Fahrer im Totwinkel-Bereich und warnt beim Abbiegen vor Fußgängern und Radfahrern.

Rundum sicher im ElektroBus. Im neuen eCitaro erreicht das Sicherheitsniveau neue Höhen. Die elektrische Spannung an Bord des eCitaro beläuft sich auf bis zu 750 Volt – darauf müssen sich neben Werkstatt-Mitarbeitern auch Rettungskräfte vorbereiten. Deshalb bietet die Servicemarke OMNIplus für den neuen eCitaro einen Rundumservice, bestehend aus einer beispielhaft eingerichteten Musterwerkstatt und einem erweiterten Rettungsleitfaden. In der Musterwerkstatt wird der sichere Umgang mit Hochvoltkomponenten vermittelt und eingeübt. Der Rettungsleitfaden für Busse mit Stern ist bereits seit mehreren Jahren wichtiger Bestandteil unseres integralen Sicherheitskonzepts. Er liefert spezifische Informationen über alle Baureihen der Stadt-, Überland- und Reisebusse sowie für die unterschiedlichsten Antriebsarten einschließlich Gas- und Elektroantrieb und kann auf unserer Internetseite abgerufen werden.

Brandlöschanlage schützt BusPassagiere. Mit dem neuen Doppelstockbus S 531 DT präsentiert Setra den ersten Reisebus, der serienmäßig mit einer Brandlöschanlage im Motorraum ausgestattet ist. Bei drohender Gefahr wird der Fahrer in Sekundenschnelle mittels optischer und akustischer Meldungen im Cockpit gewarnt. Gleichzeitig bricht die unter Druck stehende Detektionsleitung und versprüht ein Löschmittelgemisch. Der gesamte Motorraum wird so abgekühlt und ein Wiederaufflammen verhindert. Mit diesem System erfüllt der Dreiachser schon heute ein Gesetz, das ab Juli 2019 für alle neu zugelassenen Reisebusse den Einbau von Feuerlöschanlagen vorschreibt.

Busfahrertraining OMNIplus. Seit 25 Jahren schult OMNIplus, die Servicemarke für Omnibusse von Mercedes-Benz und Setra, Busfahrerinnen und -fahrer in der Erkennung und Vermeidung von Gefahren und Unfällen. Im Durchschnitt absolvieren pro Jahr deutschlandweit mehr als 700 Fahrerinnen und Fahrer ein solches Training. Insgesamt haben bis heute über 18.000 Fahrer von Reise-, Stadt- und Schulbussen das Training erfolgreich durchlaufen.

Crashtests im TFS Sindelfingen. In unserem hochmodernen Technologiezentrum Fahrzeugsicherheit (TFS) in Sindelfingen forschen wir intensiv am Thema Sicherheit. Dabei geht es nicht zuletzt um die Absicherung von Fahrzeugkonzepten mit alternativen Antrieben. In der neuen Crash-test-Halle des TFS können jährlich rund 900 Crashtests sowie rund 1.700 Schlittenversuche durchgeführt werden. Die stützenfrei überdachte Halle ist mit 90 mal 90 Metern größer als ein internationaler Fußballplatz.

Röntgentechnologie verfeinert Crashtest-Ergebnisse. Gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Kurzzeitdynamik, Ernst-Mach-Institut, EMI aus Freiburg untersucht unser Bereich Fahrzeugsicherheit den Einsatz von Röntgentechnologie bei Crash-Versuchen. Die Ultrakurzzeit-Röntgentechnologie soll während eines Crashtests Standbilder in gestochen scharfer Qualität liefern. Neu hierbei ist, dass sich das Verhalten sicherheitsrelevanter Bauteile damit sogar in ihrem Inneren untersuchen ließe. Zudem können die Daten aus dem „Röntgen-Crash“ mit computergestützten Simulationsmodellen zusammengeführt werden. Dies kann helfen, die Prognosezuverlässigkeit von Crash-Simulationen weiter zu verbessern.