Neben dem Kraftstoffverbrauch und den Emissionen beim Fahren sind die Umweltbelastung und der Ressourcenverbrauch bei der Herstellung der Fahrzeuge entscheidend für die Umweltverträglichkeit. Daher ist es das strategische Unternehmensziel im Projekt „Green Production Daimler“, den Ressourcenverbrauch kontinuierlich zu senken beziehungsweise die Ressourceneffizienz zu erhöhen. Die Pkw-Sparte Mercedes-Benz Cars hat sich dazu folgende Ziele gesetzt:

  • Spezifischer Energieverbrauch (pro Fahrzeug): - 25 Prozent bis 2022 gegenüber 2015
  • Spezifischer Wasserverbrauch (pro Fahrzeug): - 15 Prozent bis 2022 gegenüber 2015
  • Spezifische Abfallmenge (pro Fahrzeug): - 25 Prozent bis 2022 gegenüber 2015

Initiativen für eine saubere Herkunft von Rohstoffen. Im Rahmen der Offensive für eine nachhaltige Rohstoffbeschaffung haben wir uns in verschiedenen Initiativen mit Verbänden, Organisationen und auch Wettbewerbern zusammengeschlossen. Die gemeinsamen Ziele heißen: zertifizierbare Standards, mehr Transparenz bei der Beschaffung und eine saubere Herkunft risikobehafteter Rohstoffe. Mit diesen Zielen ist Daimler 2018 der Responsible Cobalt Initiative, der Responsible Mineral Initiative, der Responsible Steel Initiative und der Aluminium Stewardship Initiative beigetreten.

Mehr Transparenz in der Lacklieferkette. Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Rohstofflieferkette haben wir 2018 die gesamte Lieferkette des Lack-Rohstoffs Glimmer überprüft – von der Mine bis zur Lackierung der Mercedes-Benz Fahrzeuge im Werk. Ziel war es, über alle Wertschöpfungsstufen hinweg mehr Transparenz zu schaffen, um so auch bei indirekten Vorlieferanten möglichst alle Aspekte der Nachhaltigkeit sicherstellen zu können. Mit dem Rohstoff Glimmer wird der schimmernde Effekt bei Fahrzeuglacken erzielt. Der Abbau von Glimmer wird jedoch immer wieder mit Kinderarbeit in Indien in Verbindung gebracht. Hinweisen hierzu gehen wir konsequent nach, auch wenn wir diesen Rohstoff nicht direkt beziehen. So auditierte ein Team von Qualitätsingenieuren, Compliance- und Menschenrechtsexperten drei Minen in Indien, aus denen Glimmer für Mercedes-Benz Lacke kommt. Nach der Auditierung der Minen und Verarbeiter verfolgte das Team den Weg des Glimmers bis zu den jeweiligen Betrieben der Weiterverarbeitung, um eine Beimischung von Glimmer aus nicht auditierten Minen oder illegalen Quellen auszuschließen.
Environmental Risk Management
Nachhaltigkeit in der Lieferkette
Menschenrechte

Reduzierung der Umweltrisiken. Als Instrument der Umweltrisikovorsorge sowie zur Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen haben wir bereits 1999 eine Methodik zur Umweltrisikobewertung (Environmental Due Diligence) entwickelt. Diese wenden wir seit dem Jahr 2000 konzernweit sowohl intern als auch extern bei Akquisitionsvorhaben an. Seither führten wir drei komplette Risikobewertungen an den Produktionsstandorten von Mercedes-Benz Cars, Mercedes-Benz Vans, Daimler Trucks und Daimler Buses durch.

2014 begann die vierte Runde der Umweltrisikobeurteilung. Einige neue Risikoaspekte wurden in die Themenfelder integriert. Methode und Tools haben wir jedoch nicht verändert, um die Vergleichbarkeit mit den Resultaten der bereits durchgeführten Bewertungen zu gewährleisten. Nach festgelegten, standardisierten Vorgehensweisen werden so sämtliche Produktionsstandorte im Rhythmus von fünf Jahren besucht und evaluiert. Es folgen Berichte an die Werks- und Geschäftsfeldleitungen sowie ein jährliches Controlling des Umsetzungsstandes der Empfehlungen zur Risikominimierung an den Standorten. Auf diesem Weg streben wir für alle Produktionsstandorte von Daimler weltweit einen verpflichtenden hohen Umweltstandard an.

Im Jahr 2018 wurden die Produktionsstandorte des Geschäftsfelds Detroit Diesel Remanufacturing und einige CKD-Werke von Mercedes-Benz Cars evaluiert. Schwerpunktergebnisse lagen in den Bereichen fachgerechte Lagerung von Gefahrstoffen und Explosionsschutz.

Ausbau der Batterieproduktion. Die Fertigung von Antriebsbatterien in einem eigenen Batterie-Produktionsverbund auf drei Kontinenten ist von elementarer Bedeutung für die Sicherstellung unserer Produktion elektrischer Fahrzeuge. Neben dem ersten Standort in Kamenz planen und bauen wir derzeit an sechs Standorten weitere Batteriefabriken: Stuttgart-Untertürkheim, Sindelfingen, Kamenz, Peking (China), Tuscaloosa (USA) und Bangkok (Thailand). Dies schließt auch den Ausbau von Batterie-Recycling-Aktivitäten ein. Der Ausbau unserer Batterieproduktion unterstreicht zugleich die notwendige und zügige Transformation in Richtung Elektromobilität. Insgesamt investieren wir mehr als 1 Mrd. Euro in den globalen Batterie-Produktionsverbund innerhalb des weltweiten Produktionsnetzwerks von Mercedes-Benz Cars.

Batteriezellen im Gesamtvolumen von 20 Mrd. Euro. Zur Absicherung der Transformation hin zur Elektromobilität ist Daimler Mitte Dezember 2018 einen nächsten Schritt gegangen. Nach Milliarden-Investitionen in die Entwicklung der Elektroflotte und den Ausbau des globalen Batterienetzwerks treibt Daimler den Wandel mit dem Kauf von Batteriezellen für mehr als 20 Mrd. Euro hin zur elektrischen Zukunft konsequent voran. Insgesamt plant Daimler bis 2022 bei Mercedes-Benz Cars 130 elektrifizierte Varianten. Hinzu kommen elektrische Transporter, Busse und Lkw. Mit umfangreichen Beauftragungen für Batteriezellen bis ins Jahr 2030 setzt das Unternehmen einen weiteren wichtigen Meilenstein für die Elektrifizierung der künftigen Elektrofahrzeuge der Produkt- und Technologiemarke EQ. So will Daimler zusammen mit seinen Lieferpartnern die Versorgung des globalen Batterie-Produktionsverbundes heute und künftig mit den jeweils neuesten Technologien sicherstellen. Die Lieferanten produzieren Batteriezellen aktuell bereits in Asien und Europa und expandieren weiter in Europa und zusätzlich in den USA.

Daimler-NB2018_E-Mobilitaet_zu_Ende_gedacht

E-Mobilität zu Ende gedacht. Die Elektromobilität denken wir ganzheitlich. Zur Umsetzung der Recycling-Prozesskette und Sicherung des künftigen Rohstoffbedarfes für die Elektromobilität beteiligt sich die Daimler AG aktiv an der Forschung und Entwicklung von neuen Recycling-Technologien. Mit der Gründung der hundertprozentigen Tochter Mercedes-Benz Energy GmbH fokussieren wir uns beispielsweise auf die Wiederverwendung der Batterie (Re-Use). Denn der Lebenszyklus muss nicht mit dem Automobilbetrieb enden, Batterien lassen sich für stationäre Speicher weiterverwenden. Auch Batteriesysteme, die noch nicht in Elektroautos zum Einsatz kamen, sondern als Ersatzteile vorgehalten werden, lassen sich als Energiespeicher zweitverwenden.

Kohlekraftwerk wird zu Batteriespeicher. Ein wichtiger Baustein in unserem Gesamtkonzept der E-Mobilität ist die Nutzung neuer wie auch gebrauchter Batteriesysteme aus Hybrid- und Elektrofahrzeugen als stationäre Speicher. So haben wir 2018 gemeinsam mit der Mercedes-Benz Energy GmbH, der GETEC ENERGIE AG und dem Technologieunternehmen The Mobility House AG im ehemaligen Kohlekraftwerk Elverlingsen (Südwestfalen) einen innovativen Batteriespeicher in Betrieb genommen. Insgesamt 1.920 neue Batteriemodule für die dritte Generation des Elektrosmart warten dort auf ihren Einsatz im Automobil – und tun derweil als stationäre Energiespeicher ihren Dienst. Auf diese Weise stellt der Ersatzteil-Großspeicher dem Energiemarkt eine Leistung von 8,96 MW und eine Energiekapazität von 9,8 MWh zur Verfügung und ermöglicht es so, das Stromnetz mit Regelleistung zu stabilisieren.

Die effiziente Doppelnutzung der Batteriesysteme verbessert die Umweltbilanz und die Lebenszykluskosten der E-Mobilität. Auch die Batterien selbst profitieren davon. Um leistungsfähig zu bleiben, müssen sie während der Bevorratung nämlich regelmäßig „zyklisiert“, also schonend ge- und entladen werden – genau so, wie dies in einem Stationärspeicher automatisiert geschieht.

Ist die Kapazität einer Antriebsbatterie schließlich nach längerem Einsatz im Fahrzeug auf unter 80 Prozent der Ausgangskapazität zurückgegangen, kann sie immer noch erfolgreich in Second-Life-Batteriespeichern eingesetzt werden. Einen solchen, 12,8 MWh starken Stationärspeicher haben wir bereits 2016 in Lünen in Betrieb genommen.

Naturschutz und Biodiversität. Die biologische Vielfalt zu erhalten und zu fördern, stellt neben dem Klima-, Immissions-, Gewässer- und Bodenschutz eine wichtige Aufgabe für unser Unternehmen dar. Der Rückgang der Biodiversität ist ein globales Problem, das durch die intensive Beanspruchung von Ressourcen, weiter zunehmende CO2-Emissionen, produktionsbedingte Eingriffe in die Umwelt sowie die Klimaerwärmung hervorgerufen und beschleunigt wird.

Vor diesem Hintergrund sehen wir uns in der Pflicht, aktiv für den Erhalt der Biodiversität einzutreten. So haben wir beispielsweise einen internen Leitfaden mit praktischen Handlungsempfehlungen zur naturnahen Flächengestaltung für unsere Werke entwickelt. Er regt dazu an, für die Biodiversität aktiv zu werden, und will zur Umsetzung von Maßnahmen motivieren. Beispielhafte Initiativen zum Erhalt der Biodiversität an unseren Standorten reichen vom Bau von Nisthilfen für heimische Vögel über das Aufstellen von Insektenhotels und Bienenstöcken bis hin zur Anlage von Dach- und Fassadenbegrünungen, Trockenbachläufen, Steingärten und Blumenwiesen. Letztere sind zugleich beliebte Ruhezonen für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

So wurde zum Beispiel unser Werk Gaggenau im April 2018 für die Umgestaltung der als „Bergmanngarten“ bekannten Fläche unter dem Titel „Historisches Firmengelände naturnah gestaltet – Chancen für biologische Vielfalt“ ausgezeichnet. Ebenso erhielt der Daimler Trucks Standort Rastatt im Jahr 2018 erneut die Auszeichnung „Natur trifft Wirtschaft – auch kleine Flächen fördern die Vielfalt gefährdeter Arten“.

Die Auszeichnungen sind Bestätigung und Ansporn, das Richtige zum Erhalt der Artenvielfalt zu tun und dies auch kontinuierlich voranzutreiben. Vor allem Rasenflächen wurden in Gaggenau durch naturnah gestaltete Grünflächen ersetzt; bis heute wurden hier etwa 25.000 Quadratmeter Rasenfläche umgewidmet. Viele Aktivitäten laufen in enger Zusammenarbeit mit dem NABU Kreisverband Rastatt und orientieren sich am „111-Arten-Korb“ des Landes Baden-Württemberg.

Ein weiteres, praktisches Beispiel ist die detaillierte Kartierung von Pflanzen und Bäumen auf unserem Werksgelände in Pune, Indien. Die Dokumentation von allein über 2.500 Bäumen in einer eigenen Datenbank sowie die Kennzeichnung der Pflanzen mit QR-Codes ermöglichen jetzt eine fortwährende Beobachtung der Entwicklung. Die Ergebnisse der Kartierung sind auch über eine eigens eingerichtete Website für Werksmitarbeiterinnen und -mitarbeiter abrufbar.

Umweltschutz auf dem neuen Testgelände Immendingen. In unserem neuen Prüf- und Technologiezentrum in Immendingen bündeln wir die weltweite Fahrzeugerprobung. Seit 2018 läuft hier der volle Testbetrieb. Gleichzeitig haben wir im September 2018 mit einem weiteren Bauvorhaben begonnen: Bis 2020 soll in Immendingen ein hochmodernes Versuchszentrum zur Durchführung von Emissionstests entstehen.

Nicht nur wegen des offenen, transparenten Gesamtprozesses gilt das auf einer ehemals militärisch genutzten Fläche errichtete Prüf- und Technologiezentrum als beispielhaft. Es ist auch in punkto Umweltschutz und Nachhaltigkeit vorbildlich. So hat Daimler bei den umfangreichen Naturschutzmaßnahmen mit Natur- und Umweltschutzverbänden zusammengearbeitet und einen konstruktiv-kritischen Dialog geführt. Ziel war und ist es, den technologischen Fortschritt in Einklang mit der Natur zu ermöglichen. Unter dieser Maßgabe wurden auf dem Immendinger Gelände Lebensräume für Pflanzen und Tiere geschaffen, Flächen aufgeforstet und begrünt. Auch wird das gesamte Gelände von einer Wildtierpassage durchzogen. Auf diese Weise führen wir naturschutzrechtliche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen auf einer Fläche von insgesamt 625 Hektar durch.