Setzt sich das dynamische Wachstum der Weltwirtschaft wie bisher fort, dürfte sich der globale Ressourcenverbrauch laut Aussagen des International Ressource Panel der UNEP bis 2050 mehr als verdoppeln. In der Automobilindustrie wird sich durch den Ausbau der Elektromobilität der Materialeinsatz für Antrieb, Batterie und Leistungselektronik deutlich verändern.

Wir haben uns das Ziel gesetzt, den primären Rohmaterialeinsatz für elektrische Antriebe bis 2030 um 40 Prozent zu verringern. Darüber hinaus wollen wir vielfältige Recycling-Prozesse für unsere Hochvoltbatterien am Markt etablieren.

Im Rahmen unserer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten wollen wir die Energiedichte der Batterien erhöhen. Damit reduzieren wir deren Gesamtgewicht und den damit verbundenen Rohstoffeinsatz.

Die Herstellung von Fahrzeugen erfordert einen hohen Materialeinsatz. Deshalb liegt einer unserer Entwicklungsschwerpunkte darauf, den Bedarf an natürlichen Ressourcen möglichst gering zu halten. Vor allem versuchen wir, den Einsatz von Rohstoffen, die nur begrenzt verfügbar sind und häufig auch einen größeren „ökologischen Rucksack“ mit sich tragen, schon in frühen Entwicklungsstadien zu begrenzen. Neben dem sparsamen Umgang mit den Ressourcen spielen die Aufarbeitung von Bauteilen und das Recycling eingesetzter Rohstoffe eine wichtige Rolle. Seit Jahren sind dabei die Wiederaufarbeitung und Wiederverwendung von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen in unseren Werken selbstverständlich. So erreichen wir eine Abfallverwertungsquote von über 90 Prozent.

Ganzheitliche Bilanzierung. Um die Umweltverträglichkeit eines Fahrzeugs bewerten zu können, betrachten wir die Emissionen und den Ressourcenverbrauch über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Dies geschieht mittels einer Ökobilanz, die die wichtigsten Umweltwirkungen erfasst – von der Rohstoffgewinnung über die Produktion und Nutzung bis hin zur Verwertung. In der Mercedes-Benz Entwicklung setzen wir Ökobilanzen ein, um verschiedene Fahrzeuge, Bauteile und Technologien zu bewerten und zu vergleichen.

Weniger Gewicht, mehr Rezyklate, mehr Naturmaterialien. Unser Ziel ist es, unsere Fahrzeuge leichter zu machen und zugleich die Umweltauswirkungen der eingesetzten Materialien weiter zu verringern. Dazu setzen wir zum einen auf neue, leichte Werkstoffe und Bauteile. Zum anderen verwenden wir vermehrt nachwachsende Rohstoffe und Recycling-Materialien. Grundsätzlich gilt: Mit weniger mehr erreichen – das ist für uns das Mittel der Wahl, um kostbare Rohstoffe zu schonen, auch und gerade im Bereich der Elektromobilität.

Intelligenter Leichtbau kann das Gewicht eines Fahrzeugs reduzieren, ohne dass Abstriche an Sicherheit und Komfort die Folge wären. Neben der Materialauswahl spielen dabei auch die Bauteilkonstruktion und die Fertigungstechnik eine wichtige Rolle: Nicht jedes Material eignet sich für jedes Bauteil. Der höchste Anteil am Gesamtgewicht eines konventionell angetriebenen Fahrzeugs entfällt mit 35 Prozent auf den Rohbau. Es folgen das Fahrwerk mit 25 Prozent, die Komfort- und Sicherheitsausstattungen mit 20 Prozent sowie Motor und Getriebe mit 20 Prozent. Somit ist es am effektivsten, am Rohbau anzusetzen.

Bei Hybridfahrzeugen und mehr noch bei rein elektrischen Fahrzeugen verschieben sich die Gewichtsanteile durch das zusätzliche Gewicht der Batterie deutlich. Letztere kann hier ungefähr ein Viertel des Gesamtgewichts des Fahrzeuges ausmachen.

Ressourcen schonen mit Rezyklaten. Rezyklate sind wiederverwertete Kunststoffe, die ganz oder teilweise aus aufbereitetem Produktionsabfall oder Altmaterial hergestellt werden. Die europäische Altfahrzeugrichtlinie 2000/53/EG gibt für Pkw und Transporter mit einem Gesamtgewicht von bis zu 3,5 Tonnen Verwertungsquoten vor. Außerdem fordert sie dazu auf, bei der Fahrzeugherstellung mehr Recycling-Material zu verwenden, um so die Märkte für Rezyklatwerkstoffe zu stärken. Die Lastenhefte neuer Mercedes-Benz Modelle schreiben deshalb einen Mindestanteil an Rezyklaten vor. Der EQC (Stromverbrauch kombiniert: 20,8-19,7 kWh/100km; CO2-Emissionen kombiniert: 0 g/km)1 ist ein aktuelles Beispiel dafür. Kundinnen und Kunden können den EQC mit Sitzbezügen bestellen, die zu 100 Prozent aus rezyklierten PET-Flaschen hergestellt wurden. Darüber hinaus werden circa 100 Fahrzeugkomponenten aus rezyklierten Materialien oder Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen wie Hanf, Kenaf, Baumwolle, Papier oder Naturkautschuk hergestellt.

Nachwachsende Rohstoffe bieten für uns viele Vorteile. Zum Beispiel lässt sich mit ihrer Hilfe oft das Bauteilgewicht verringern und die aus ihnen hergestellten Produkte sind in der Regel gut verwertbar. Zudem ist ihre CO2-Bilanz bei energetischer Verwertung fast neutral, da nur so viel CO2 freigesetzt wird, wie die Pflanze während des Wachstums aufgenommen hat. Und nicht zuletzt tragen nachwachsende Rohstoffe – wie auch Rezyklate – dazu bei, den Verbrauch fossiler Ressourcen zu reduzieren.

Durchgehend hohe Recycling-Fähigkeit. Während der Entwicklung eines Fahrzeugs erstellen wir für jedes Fahrzeugmodell ein Recycling-Konzept, in dem alle Bauteile und Werkstoffe auf ihre Eignung für die verschiedenen Stufen des Recycling-Prozesses hin analysiert werden. Dadurch sind alle Mercedes-Benz Pkw-Modelle gemäß ISO 22 628 zu 85 Prozent stofflich recyclingfähig und zu 95 Prozent verwertbar. Schwerpunkte unseres Engagements im Recycling-Bereich sind dabei:

  • der Wiederverkauf geprüfter und zertifizierter Gebrauchtteile durch das Mercedes-Benz Gebrauchtteile Center (GTC),
  • die Aufarbeitung sogenannter Tauschteile (Remanufacturing),
  • das Werkstattentsorgungssystem MeRSy (Mercedes-Benz Recycling System).

Daimler-NB2018_21_Werkstattentsorgung_mit_MeRSy_in_Europa

Werkstattentsorgung mit MeRSy. Im Rahmen unseres Werkstattentsorgungssystems MeRSy werden Abfälle, die bei der Wartung oder Reparatur unserer Fahrzeuge entstehen, eingesammelt und verwertet oder fachgerecht entsorgt. 2018 wurden in Deutschland insgesamt 29.452 Tonnen Altteile und Materialien gesammelt und der Verwertung zugeführt. Rund 1.533 Tonnen Kühl- und 645 Tonnen Bremsflüssigkeit wurden wiederaufbereitet.

Neuer Ansatz zur Messung der Ressourceneffizienz. Bei anhaltendem Wirtschaftswachstum steigen die Umweltbelastung und der Ressourcenverbrauch. Mehr denn je kommt es deshalb heute darauf an, mit weniger mehr zu erreichen. In eigenen Studien beschäftigen wir uns daher mit Fragen rund um das Thema Ressourceneffizienz. Zudem haben wir im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsprojekts ESSENZ an der Entwicklung eines ganzheitlichen Bewertungsansatzes für Ressourceneffizienz mitgewirkt. Das Projekt ist inzwischen abgeschlossen und wir wenden den neuen Ansatz an. Er berücksichtigt neben dem reinen Rohstoffverbrauch auch weitere Faktoren wie die mittel- und langfristige Sicherstellung der Rohstoffversorgung und die Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards entlang der Lieferkette.

Ressourcenverbrauch. Daimler verbraucht pro Jahr rund 7 Mio. Tonnen Rohstoffe zur Herstellung seiner Produkte. Einige dieser Stoffe können als knapp oder kritisch eingestuft werden. Hierauf richten wir unser besonderes Augenmerk und versuchen, die Einsatzmengen pro Fahrzeug und auch insgesamt kontinuierlich zu verringern.

Daimler-NB2018_22_Materialbilanz

Ressourceneinsatz alternativer Antriebe. In Fahrzeugen mit Hybrid- und Elektroantrieb stecken besonders viele wertvolle Ressourcen. Die Betrachtung über den gesamten Lebenszyklus hinweg zeigt, dass sich das auszahlt:

Ökobilanz

Um die Umweltverträglichkeit eines Fahrzeugs bewerten zu können, betrachtet Daimler die Emissionen und den Ressourcenverbrauch über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Dies geschieht mittels einer Ökobilanz, die die wichtigsten Umweltwirkungen erfasst – von der Rohstoffgewinnung über die Produktion und Nutzung bis hin zur Verwertung. Exemplarisch möchten wir hier die Ökobilanzen des GLC F-Cell Plug-IN Hybrid (Wasserstoffverbrauch kombiniert: 0,34 kg/100 km, CO2-Emissionen kombiniert: 0 g/km, Stromverbrauch kombiniert: 13,7 kWh/100 km)2 sowie des Mercedes-Benz eCitaro Solobus vorstellen.

GLC F-CELL Plug-IN Hybrid. In der Gesamtumweltbilanz kommen dem GLC F-CELL dauerhaft lokal emissionsfreies Fahren und die hohe Effizienz des elektrischen Antriebsstrangs zugute. Für die Analyse der GLC F-CELL Nutzungsphase wurden zwei Pfade zur Herstellung des Wasserstoffs wie auch des eingesetzten Stroms analysiert. Erfolgt die Herstellung regenerativ über Wind- oder Wasserkraft, so können die CO2-Emissionen verringert und nahezu auf dem Niveau der Pkw-Herstellung gehalten werden. Erfolgt die externe elektrische Aufladung mit dem europäischen Strommix und wird dazu Wasserstoff aus Erdgas eingesetzt, so emittiert der GLC F-CELL in Summe 34 Tonnen CO2 während des gesamten Lebenszyklus. Mit dem H2-Mobility-Wasserstoffmix (50 Prozent regenerativ) können die CO2-Emissionen bereits um 3,2 Tonnen auf 30,8 Tonnen reduziert werden. Durch den Einsatz von komplett regenerativ erzeugtem Strom und Wasserstoff ist sogar eine Reduktion auf 16 Tonnen CO2 möglich.

Die spezifischen Antriebskomponenten des GLC F-CELL führen in der Pkw-Herstellung zu einem höheren Material- und auch zu einem höheren Energieeinsatz. Durch den Entfall von Verbrennungsmotor, Getriebe und Peripherie reduziert sich der Stahl-/Eisenwerkstoffanteil. Im Gegenzug steigen die Werkstoffanteile der Polymerwerkstoffe, Leichtmetalle und sonstigen Metalle an.

Daimler-NB2018_23_Oekobilanz_GLC_F-CELL_Plug-IN_Hybrid

Mercedes-Benz eCitaro Solobus. 2018 haben wir den neuen Mercedes-Benz eCitaro Solobus (Elektrobus) und den Mercedes-Benz Citaro Solobus (Diesel, OM 936) erstmals im Rahmen einer Ökobilanzstudie untersucht. Die Ökobilanzierung dient dabei dem internen Vergleich der Umwelt-Performance der Fahrzeuge. Weiterhin ermöglicht sie uns, die Nachfrage von Busbetreibern und Städten nach solch einem ökologisch orientierten Vergleich zu beantworten.

Wir betrachten dabei immer den kompletten Lebenszyklus mit den einzelnen Phasen Herstellung, Nutzung (bestehend aus Kraftstoffherstellung inklusive AdBlue- und Stromerzeugung sowie Fahrbetrieb) und End of Life. Es wird eine Laufleistung von 600.000 Kilometern für beide Busse angenommen. Im Rahmen der Ökobilanzierung wurden der SORT2-Zyklus und eine Lebenslaufleistung von 600.000 Kilometern modelliert.

Für die Analyse des eCitaro wurden zwei Pfade zur Herstellung des Stroms in der Nutzungsphase analysiert. Erfolgt die externe Beladung regenerativ über Wasserkraft, so belaufen sich die CO2-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus auf 91 Tonnen. Wird der europäische Strommix eingesetzt, erhöhen sich die CO2-Emissionen auf 404 Tonnen. Der Citaro Diesel verursacht über den gesamten Lebenszyklus 653 Tonnen CO2-Emissionen. Somit liegt der eCitaro je nach Art der Stromerzeugung 38 Prozent (europäischer Strommix) beziehungsweise 86 Prozent (Strom aus Wasserkraft) günstiger als der konventionell motorisierte Citaro Diesel.

Daimler-NB2018_24_Oekobilanz_Mercedes-Benz_eCitaro_Solobus_im_Vergleich_zum_Mercedes-Benz_Citaro_Diesel_Solobus
1Stromverbrauch und Reichweite wurden auf der Grundlage der VO 692/2008/EG ermittelt. Stromverbrauch und Reichweite sind abhängig von der Fahrzeugkonfiguration (, insb. von der Auswahl der Höchstgeschwindigkeitsbegrenzung).
2Angaben zu Strom beziehungsweise Wasserstoffverbrauch und CO2 -Emissionen sind vorläufig und wurden vom Technischen Dienst für das Zertifizierungsverfahren nach Maßgabe des WLTP-Prüfverfahrens unverbindlich ermittelt und in NEFZ-Werte korreliert. Eine EG-Typgenehmigung und eine Konformitätsbescheinigung mit amtlichen Werten liegen noch nicht vor. Abweichungen zwischen den Angaben und den amtlichen Werten sind möglich.